Es ehrt mich ja ein wenig, in welcher Geschwindigkeit so eine Kündigung in einem gar nicht so kleinen Unternehmen die Runde macht. Montag Früh gibt es eine Privataudienz beim Entwicklungs-Direktor Europa. Und das, obwohl ich doch nur ein kleines Würstchen bin.
Bis jetzt war die einhellige Meinung: "Schade, dass du gehst, aber wir verstehen es absolut/ wir hätten es genau so gemacht". Wiederholt wurde mir auch schon mit Handschlag (ernst gemeint) zur neuen Stelle gratuliert. Schauen wir mal, ob sie hält, was sie verspricht. Die mir im Vorfeld entgegengebrachte Fürsorge und der Respekt waren sehr positiv. Noch habe ich ja 12 Wochen in der alten Firma.
Ganz ehrlich: die Star-Trek-Folgen mit Parallel-Universen habe ich noch nie gemocht. Ebenso sind Folgen mit Holodeck und Zeitreise häufig weniger gut. Aber das ist nur meine Meinung.
O.T. Sind hier eigentlich noch ein paar echte Trekkies dabei? Ich wollte mal ein paar Vulkanier, Bolianer etc. pinseln. Aber wenn das keinen interessiert ist das ja auch doof.
Energie.
Häufig begleiteten uns über mehrere Kilometer entlang der Deiche Schwalbenschwärme. Ich genoss es von den Tieren umkreist zu werden, ihren waghalsigen Flugmanövern zuzusehen, bei denen man nicht selten hätte meinen können, dass sie einem gleich ins Rad fliegen und zuzusehen, wie sie im Tiefflug Insekten aus den Blumenwiesen pickten.
Ganz billiges Bilderrätsel.
Aber wenn man zwei Wochen lang nicht malt, muss man erst mal langsam anfangen.
Ich spitze erst aus Versehen den Pinsel an und tunkte den Bleistift in die Farbnäpfchen.
Der Elberadweg.
Wir sind nun in den vergangenen 14 Tagen von Hamburg bis Dresden geradelt, grob an der Elbe entlang. Wir hatten auf den Rädern vom Gaskocher bis zum Zelt alles dabei.
Nachdem der Elberadweg vom ADFC wiederholt preisgekrönt wurde und auch sonst viel gelobt wird, beschlossen wir dieses Jahr eben jenen zwischen besagten Städten zu fahren.
Wir sind insgesamt mit der Tour sehr zufrieden und hatten sehr abwechslungsreiche und schöne Erfahrungen und Entdeckungen.
Zum einen muss ich gestehen, dass ich in der Schule in Erdkunde und Geschichte eine ziemliche Niete war. Geografisch ist es recht einprägsam, wenn man den Flussverlauf quer durch das Land selbst erlebt, man die lokalen Besonderheiten entdeckt und z.B. auch Fluss-Zusammenhänge mitbekommt (dass zum Beispiel Havel und Saale mit der Elbe zusammenhängen, war mir nicht bewusst -sind wir doch auch schon große Stücke an beiden anderen Flüssen geradelt-).
Historisch eröffnete sich mir die Elbe als Deutsch-Deutsche Grenzregion. Als Süddeutscher (mit entsprechenden Defiziten in oben genannten Schulfächern) ist man sich dessen so gar nicht bewusst. So entwickelte sich die Tour geradezu zum Bundeslandhopping (Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen!).
Dicke Pluspunkte sammelt die Tour bei Flora und Fauna: die Elbdeiche sind mit unzähligen Blumen- und Kräuterwiesen bewachsen, von Seeadlern über Störche und unzählige andere Vögel haben wir wirklich viel gesehen. Hornissen, noch nie so viele davon gesehen...
Bisher wohnte ich nur an Pegnitz, Main, Isar und Neckar. Alles recht domestizierte Fließgewässer; die Elbe dagegen hat in ihren Auen viel Platz, sich zu entfalten. Das war sehr beeindruckend.
Viele kleinere Städtchen, die man mit einer herkömmlichen Reise sicherlich nicht besuchen würde, zeigen ihre Reize (z.B. Hitzacker, Havelberg oder Tangermünde). Noch kleinere Orte, die teilweise nur mit groben Kopfsteinpflasterwegen (Pompeji hat im Vergleich Highways) miteinander verbunden sind, beherbergen wieder hergerichtete und verfallene Villen, Gärten, Hütten...
Die mittleren und großen Städte punkten natürlich auch, Hamburg, Magdeburg, Dessau, Meißen, Dresden... ...lohnt sich alles.
Man weiß etwas genauer, wo Wendland, Krümmel und Gorleben sind...
Leider war die Strecke an und für sich im zweiten Teil weniger attraktiv: der Weg führte häufig fern der Elbe entlang riesiger, kilometerlanger Acker. Da hat es jemand mit der Flurbereinigung zu gut gemeint. Man kann sich vorstellen, dass viele der oben beschriebenen Impressionen ausbleiben, die Highlights reduzieren sich immer mehr Orte und Städte. Setzt man sich jedoch zwei Wochen auf das Rad, um möglichst viel im Freien zu sein, macht Natur glücklicher als Stadt.
Mein Fazit der abgefahrenen Strecke ist ganz klar, dass sich Hamburg bis Magdeburg auf alle Fälle lohnt! Danach muss man überlegen, ob man die Tour wegen der dortigen Orte fahren will.
Gerade weil der Elberadweg so viel von offizieller Seite gelobt wird, dachte ich mir beim Abfahren der landwirtschaftlich geprägten, drögen Gegenden manchmal, dass es mir wie eine Werbekampagne für eine strukturschwache Region ist.
Die Abschnitte Cuxhaven-Hamburg und nach Dresden durch das Elbsandsteingebirge sind sicherlich auch sehenswert. Würde ich die Tour noch einmal fahren, würde ich ein Stück zwischendrin mit dem Zug überbrücken.
So...
...wieder angekommen. Erst mal daheim wurschteln.
Also...
...ich bin dann unterwegs nicht online.
Es hat sich mal wieder bestätigt, dass die Vergrößerung des möglichen Packvolumens durch zusätzliche Taschen das Packen nicht erleichtert.
Jetzt muss noch das mit dem Wetter werden.
Bis in Kürze...