Viel Wasser von oben.
Der letzte Versuch auf Sightseeing war etwas verregnet, so dass ich dieses Wochenende mit der Bilanz 2 Tage Wochenende, 2 mal bis auf die Haut durchnässt schließen kann.
Unser heutiger Ausflug führte uns (Kamesh, Abe-san und den mutigen Fahrer Ramesh, der von dem Bangalore-Höllentrip) nach Pondicherry. Pondicherry ist eine ehemalige französische Kolonie und für einige im Kolonialstil gehaltene Gebäude und Straßenzüge bekannt. Doch vorher machten wir Halt in der Siedlung "Auroville", einer künstlich geplanten Stadt. Es soll eine kulturell, spirituell, ökologisch universelle Stadt sein, die viele Pilger anzieht.
Tatsächlich sah ich hier so viele Europäer, wie in den letzten 2,5 Monaten zusammen nicht.
Das waren dann aber auch überwiegend Langhaarige Herren (nicht dass ich meine eigene ehemalige Haarpracht vergessen habe), Menschen in weiten Leinenklamotten oder bunten Patchworkhosen, die ganz offensichtlich ein paar Erleuchtungsstufen über mir waren.
Bereits am Eingang warnten Handy-Verbots-Schilder, dass hier keine schlechten Strahlen erwünscht seien. Es telefonierten trotzdem alle, Besucher wie Angestellte.
In der europäischen Cafeteria, in der es nur betont gesunde Dinge gab, bestellten wir uns erst mal eine Runde leckeren Käsekuchen (klassischen Health-Food also). Postkartenmotiv von Auroville ist der Matrimandir, ein Sakralbau, der einer riesigen, goldenen Kugel gleicht.
Diese Kugel ist von einer großen Gartenanlage umgeben und die Gartenanlage ihrerseits genießt Verschluss durch Stacheldrahtzaun. Um den eventuell negativen Einfluss auf diversen Energiefluss durch den Stacheldraht zu kaschieren, wurde dieser ganz hübsch mit Dornenzweigen
verziert, so dass niemand auf die Idee käme er wäre unerwünscht. An dem Tor, welches einen den Stacheldrahtzaun unversehrt hätte passieren lassen können, stand jedoch ein Herr, der meinte, dass wir zu spät seien, Sonntags schließt die Parkanlage um 14:30 Uhr, danach darf keiner mehr rein. Sofort legte sich Abe-san ins Zeug und miemte überzeugend den japanischen Indien-Touristen, der seine beschwerliche Reise zu der Kugel beschrieb und unbedingt da rein
musste. Ich hatte meine arge Mühe mir das Lachen zu verkneifen, um seine brillant gespielte Rolle nicht sofort auffliegen zu lassen. Es ist auch herrlich sinnvoll in einem Land, in dem überwiegend nur der Sonntag frei ist, eine Sehenswürdigkeit Sonntag Mittag zu schließen. Alle Diskussion half nichts, der einzig gute Rat war, dass man einen Kilometer am Zaun entlang gehen könne, da sieht man die Kugel dann von außen. So war es dann auch und der Zaun hatte bereits ein paar Löcher präpariert, durch die man die Kamera durchhalten konnte. Auf dem Rückweg kündigte Abe-san schon an, dass er es noch mal mit Schmieren probieren wolle, aber der Herr wollte kein Geld. Letztendlich liefen wir wieder die 15 Minuten zum Besucherzentrum zurück, wo nicht ersichtlich war, dass die Hauptattraktion schon geschlossen hat. Vermutlich
hat man ein Abkommen mit den örtlichen Autoriksha-Fahrern, die allzu fußlahme Touristen gegen kleines Geld zurück zu den Andenkenläden bringen.
Wir sahen uns noch kurz in der Infohalle um, die ein Modell der geplanten Anlage beinhaltete, das so gar nicht dem entsprach, was wir da vorgefunden hatten. Abe-san und ich konnten uns nicht verkneifen darüber zu scherzen, dass das Projekt typisch indisch sei: 1968 angefangen und immer noch weit davon entfernt abgeschlossen zu sein.
Für das Betreten der Infohalle musste man seine Schuhe ausziehen und ich war sehr zufrieden, als ich ein Paar Birkenstock davor sah (die gleichen, die ich auch habe).
Ich schlafe nun, da es Viertel nach Zwölf ist und schreibe morgen weiter.

hr.gross am So, 05.12.2010, 20:49
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Spaziergang
Heute bin ich schreibfaul, daher nur Bilder mit Titel:
Mein Guesthouse von der anderen Seite des Stacheldrahtzauns:
"Sir, pikscha, pikscha!"
Einer der vielen Tempel, wie sie hier alle hundert Meter stehen:
Furchtlos:
Schneeimport?
Ich vermute, dass es ein Reisfeld ist:
Geschmückter Baum bei einem Tempel:
Baum und Hütte:
Hätte ich das mal früher gewusst, dass die hier nebenan sind:
Da ich schon über eine Stunde im Regen unterwegs war (natürlich ohne Schirm, Jacke oder Plastiktüte), nahm ich mir für die letzten Kilometer durch das Industriegebiet ein Autoriksha:

hr.gross am Sa, 04.12.2010, 17:22
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Mir dünkt...
...dass einige der indischen Frauen ab einem gewissen Status ganz schöne Zicken sind. Zumindest darf mein indischer Kollege von zu Hause aus nicht mit auf Sightseeing.
Der Japaner kommt gerne mit. Mit dem unterhalte ich mich auch gut.
Spaziergang
So schaut die grobe Route aus, die ich gleich laufen werde:
spaziergang (gpx, 8 KB)
Die gpx-Datei kann man in Google-Erde öffnen, zum Beispiel.
Es sind 10km, da sollten ein paar Fotos bei rauskommen.
Sollten Sie heute nichts mehr von mir lesen, schicken Sie bitte jemanden.
Danke ;-)
Es krabbelt!
In Deutschland fange ich eigentlich fast alle Insekten in der Wohnung ein und trage sie auf den Balkon oder werfe sie in ein nahegelegenes Spinnennetz.
Hier in Indien ist mir das Gekrabbel zu viel. Ferner ist die Insekten-Bilanz durch das kurze Öffnen der Balkontür zum Rauswurf des Störenfrieds denkbar ungünstig.
Trotzdem möchte ich meine Utensilien weitestgehend insektenfrei wissen und da bleibt nur noch die Holzhammermethode (die kleinen Käfer hier können ganz schön widerstandsfähig sein, die knacken schon und rennen immer noch davon).
Sehr häufig kommt es jedoch zu einem Fehlalarm, meist durch sich entheddernde Beinhaare ausgelöst. Das fühlt sich dann immer nach Viech an - bin aber nur ich!
Man hat's schon nicht leicht.
hr.gross am Fr, 03.12.2010, 15:27
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Eigentlich gar nicht so schlecht...
...wenn man in der Vorweihnachtszeit weg ist, dann bekommt man den ganzen Mist nicht mit. In den Tagen, in denen dann massiv gefeiert ist kann man sich auf den Jetlag berufen und das ganze geschickt umschiffen.
hr.gross am Fr, 03.12.2010, 10:45
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Our mission, your safety.
Der heutige Abend kann unter Erlebnis verbucht werden.
In den von uns produzierten Bauteilen sind überwiegend pyrotechnische Zündsätze enthalten. Das führt dazu, dass wir innerhalb Europa recht strengen Richtlinien unterliegen und z.B. jeder, der gewissen Umgang mit den Produkten hat, entsprechende staatliche Schulungen benötigt. Ich selbst habe in einer mehrtägigen Schulung durch einen Vertreter der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) einen Befähigungsschein nach §20 des Sprengstoffgesetzes erworben. Im Rahmen dieses Scheines wird sogar eine polizeiliche Unbedenklichkeitsprüfung durchgeführt, bei der über das polizeiliche Führungszeugnis hinaus das private Umfeld abgeklappert werden kann.
Die Mitarbeiter hier in Indien, sei es im Büro oder am Band hatten bisher nicht mal eine einfache Sicherheitsunterweisung. Als ich den Punkt schon am Anfang meines Aufenthalts bei den japanischen Vorgesetzten ansprach, fanden sie meinen Einwand gleich gut und baten mich eine Schulung zu dem Thema zu verfassen. Nun gut, wir haben in Aschaffenburg eine ganze Abteilung dafür, aber klar, kein Thema, mach ich.
Als ich heute Morgen mein Pamphlet fertig hatte und in der Team-Runde meinte, dass wir uns heute Nachmittag mal eine halbe Stunde zusammensetzen, war der Chef gleich euphorisch und beschloss, dass die Schulung alle nötig haben, er arrangiert das. Gut, ich ging von allen Angestellten im Büro aus und fand das weiter nicht schlimm. Ob 20 oder 100 Leute...
Als ich mich dann nachmittags nach dem Besprechungszimmer erkundigte, sagte man mir "nix Besprechungszimmer, in der Halle!"
Da wurde mir dann bewusst -20 Minuten vor Auftritt- dass ich heute für alle Mitarbeiter in der Firma einen Vortrag halten würde. Ich stutzte flugs meine Präsentation um ein paar theoretische Folien und die "Hausaufgaben", die ich der Geschäftsleitung aufgeben wollte.
Sehr schön fand ich, dass die Leinwand für die Sicherheitsunterweisung von Ilango auf einer Palette stehend vom Gabelstapler aus befestigt wurde:
Da die Englischkenntnisse der Angestellten teilweise sehr begrenzt sind, übersetzte der Chef in Tamil (und ergänzte kleine Erklärungen wie "was ist eine elektrostatische Aufladung").
Zwischendrin zeigte ich noch ein paar Filmchen, was passiert, wenn so ein pyrotechnischer Gegenstand in die Luft geht.
Im Anschluss gab es eine Fragerunde, bei der erst nur die Büroangestellten ein paar technische Fragen stellten. Der übersetzende Chef erwies sich als der reinste Entertainer, der das Mikrofon -im Gegensatz zu mir- liebte und noch ein paar Scherzchen von sich gab.
Derart aufgetaut trauten sich dann auch die Mädels vom Band unter peinlichem Gekicher der um sie Herumsitzenden noch ein paar Fragen zu stellen, die teilweise gut zum Thema passten, teilweise nicht.
Zum Beispiel wurde gefragt ob sie, wenn ihnen die pyrotechnische Komponente herabfiele, sie diese noch einbauen dürften. Natürlich nicht (natürlich eine der guten Fragen, da zum einen sachbezogen und zum anderen ehrlich). Gut fand ich auch die Frage, wofür das Zeug denn eigentlich gut sei, dass sie da Tag für Tag montieren. Eine chemisch begabte junge Dame erkundigte sich dann, ob die Entzündung des Generators eine endo- oder exotherme Reaktion sei und wollte die chemische Reaktion sehen. Frage eins war klar, Frage zwei hat der Entertainer-Chef dann mit dem Scherz Top-Secret -Firmengeheimnis- abgetan.
Und so endete dann auch mein Tag.
Möge es verhindern, dass die Bude hier in die Luft fliegt.
Wen es interessiert wie das aussähe, kann mir mailen, es gibt da Video-Links zu unserem mexikanischen Werk, wie es explodiert.

hr.gross am Do, 02.12.2010, 15:56
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Beliebte Kopfbedeckung bei Regen.
hr.gross am Mi, 01.12.2010, 18:24
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